Windows den Rücken kehren

Schon immer bin ich ein Windows Nutzer. Aktuell ist Windows 10 mit einer 350+ Steam Bibliothek installiert. Dazu kommen noch Origin, Uplay, Epic und gog Galaxy. Alles in allem über 400 Spiele. Viele davon benötigen Windows. Deshalb werde ich wohl vorerst nicht ganz davon weg kommen. Zurzeit probiere ich auch noch den Windows Game Pass aus.

Was steckt im PC

  • AMD Ryzen 1800x
  • 64GB Samsung RAM
  • X370 Mainboard
  • Radeon Vega 56
  • 3xSSD (1xSATA, 2xNVMe)
  • 4xHDD (11TB total)

Mit der ersten Ryzen Generation habe ich im PC Mainboard, CPU und RAM getauscht. Etwas später auch die Grafikkarte.

Kompletter Wechsel?

Vorerst nein. Dieser Eintrag wird schon auf Fedora geschrieben. Fedora ist neben Windows auf einer separaten Festplatte installiert. Genauer gesagt auf einer der NVMe SSDs

Distro?

Welche Distribution sollte man nehmen? Hier kommt es ganz auf den Einsatzzweck an. Bisher war ich eher ein Debian-Fan. Da dies als Ableger auch auf Raspberries zum Einsatz kommt, bin ich damit schon gut vertraut. Zumindest shell-basiert. Auf dem Desktop möchte ich aber lieber ein sehr aktuelles System haben. Auch wenn die Stabilität darunter leiden kann. Das will ich bei Serveranwendungen jedoch nicht.
Mein Notebook hat eine alte NVIDIA Grafikkarte verbaut. Der open source Treiber Nouveau läuft aber scheint ohne Hardwarebeschleunigung zu laufen. Daher musste ich den proprietären Treiber von NVIDIA nehmen. Der läuft aber nicht direkt mit dem aktuellen kernel. Mit dieser Anleitung habe ich es geschafft: if-true-than...
Genug von NVIDIA. Nicht ohne Grund hat Linus denen den Stinkefinger gezeigt. Im Rechner läuft eine AMD Karte. Die open source Treiber sollen besser sein.
Laut Gerüchten zufolge soll Linus auch Fedora einsetzen. Wahrscheinlich wegen der aktuellen Software. Zumindest sagt er immer, dass er gerne die neueste Software nutzt.

Installation

Die Installation war denkbar einfach. Das 2GB große ISO von getfedora.org laden und auf einen USB Stick schreiben. Danach davon booten und (ganz wichtig) die richtige Festplatte auswählen.
Hier habe ich auch gleich die Verschlüsselung mit LUKS ausgewählt. Windows und Linux Bootloader sind auf getrennten Festplatten. So funktionieren beide Bootloader unabhängig voneinander und ich kann im BIOS die Boot HDD auswählen.
Auf meinem Notebook konnte ich schon etwas Fedora Luft schnuppern.

Alles ganz einfach, oder?

Leider nein. Natürlich stößt man immer auf Probleme. Manchmal so einfach, dass man als alter Windows Nutzer nur mit dem Kopf schütteln kann.
Ich habe zwei Monitore:

  1. BENQ EX3200R
  2. SAMSUNG SyncMaster P2450

Der BENQ ist mein Hauptmonitor und kann 144Hz bei 1920x1080. Die 144Hz sind scheinbar ein Problem. Fedora versucht den besten Modus, den der Monitor über EDID vorschlägt, zu nehmen. Hier wird versucht 144Hz zu nehmen.
bildschirm_144hz
Obwohl der Monitor den Modus vorgibt, schein er dennoch Out-of-Range zu sein. Er Blink danach nur noch in den Grundfarben. Zum Glück habe ich noch den zweiten Monitor und kann von hier weiter arbeiten.
Wenn ich 120Hz einstelle, dann geht der Monitor wieder und zeigt das Bild. Jedoch geht die Hz Einstellung verloren, wenn ich auf nur einen Monitor wechsel. Da ich den Zweiten nur selten brauche. Desweiteren werden die 120Hz erst nach dem Login eingestellt. Selbst bei der Abfrage des LUKS Passworts beim Booten läuft scheinbar auf 144Hz. Ich will den PC aber nicht blind booten!

Wayland?

Nach etwas suchen, bin ich auf Wayland gestoßen. Sollte dieser neue Display-Server etwa das Problem sein? Bringt ein Wechsel auf X11 etwas? Leider nein. Aber dennoch wechsel ich zurück. U.a weil FreeSync scheinbar bislang erst mit X11 funktioniert.

Auflösung Boot/Login/Session

Somit musste ich an drei Stellen die Auflösung mit Bildwiederholrate einstellen.

Boot

Hier führt mich die Suche in die GRUB Einstellungen.
In der Datei /etc/default/grub kann man den Bootloader ändern.
Hier habe ich am Ende der GRUB_CMDLINE_LINUX video=1920x1080-32@60 angefügt.
Danach habe ich mit folgendem Script den Bootloader neu konfiguriert.

#!/bin/bash

# Author: Eric Zhiqiang Ma (http://www.ericzma.com)
# How to use this script:
# http://www.systutorials.com/136638/how-to-regenerate-grub2-config-file-on-linux/

if [ -d /sys/firmware/efi ]; then
    grubcfg="/etc/grub2-efi.cfg"
else
    grubcfg="/etc/grub2.cfg"
fi

# make a backup just in case
cp $grubcfg $grubcfg-grub2-regen-cfg.bak

# regenerate the config file now
grub2-mkconfig -o $grubcfg

echo "Regenerated grub2 config"

Nun kann ich am EX3200R das Passwort für LUKS eingeben und weiter booten. Der Befehl radeon.modeset=0 hat leider nichts geholfen. Diesen hatte ich in anderen Beiträgen gesehen.

Login

Da ich schon auf X gewchselt bin, hoffte ich drauf, dass ich hier eine Config erstellen kann.
In die Datei /etc/X11/xorg.conf.d/20_amd.conf habe ich eingetragen:

Section "Monitor"
  Identifier "DP-3"
  Modeline "1920x1080_60.00"  173.00  1920 2048 2248 2576  1080 1083 1088 1120 -hsync +vsync
  Option "PreferredMode" "1920x1080_60.00"
  Option "DPMS" "true"
  Option "VariableRefresh" "true"
EndSection

Die Modeline kann man mit

cvt 1920 1080 60

generieren.
DPMS ist das Power Management des Monitors
VariableRefresh ist FreeSync.
Das hat funktioniert und ich kann jetzt den Login Screen sehen.

Session

Die Session hatte ich als erstes gelöst, in dem in den Bildschirme GUI die Bildwiederholfrequenz eingestellt habe.

Bonus

Soweit läuft der Monitor. Nur will ich beim Spielen nicht immer 120. Ich stell gerne VSYNC an, damit die Grafikkarte nicht auf 100% läuft. Dazu habe ich zwei Tastenkombinationen angelegt, damit ich die Rate auf 60 und 120Hz stellen kann.

xrandr --output DP-3 --mode 1920x1080 --rate 60
xrandr --output DP-3 --mode 1920x1080 --rate 120

Bildschirmfoto-vom-2019-08-30-18-21-40
Hier als Beispiel für 60Hz